20
Feb

Tim Schafer, der Papa und Ihr

20.02.2012 / Allgemein / 0 Kommentare
Stromberg

Wenn das Menschliche stimmt, klappts auch mit dem Crowdfunding (Bild: Brainpool)

Fast 2 Millionen US-Dollar werden wildfremde Menschen demnächst Tim Schafer auf sein Konto überweisen, vielleicht sogar mehr. Der Papa hat mal eben eine runde Million Euro eingesammelt. Und jetzt? Nun, Tim Schafer und sein Kollegen Ron Gilbert, die legendären Entwickler des Spiele-Klassikers Monkey Island, wollen ihr nächstes Abenteuer angehen. Der Papa, besser bekannt als Christoph Maria Herbst, besser bekannt als Bernd Stromberg, will endlich ganz großes Kino. Viele andere wollten das auch. Und waren sogar bereit, dafür zu zahlen. Viva Crowdfunding!

Welcher Gaming-Fan der ersten Stunde erinnert sich nicht gerne an durchzockte Nächte auf Monkey Island? Guybrush, LeChuck und das Malzbier. Herrlich! Nur scheinen Spiele-Publisher wenig Sinn für Nostalgie, sondern eher seelenlose ROIs im Blick zu haben. Diese bittere Erfahrung mussten zumindest die Monkey Island-Macher Schafer und Gilbert machen. Denn unter den üblichen Verdächtigen der Branche fanden sie für ihr neues Spiel Double Fine Adventure keine Geldgeber.

Zum Glück gibt’s die Crowd!

Stromberg - der Film

Die Fans haben es so gewollt - Bernd Stromberg kommt ins Kino! (Bild: Brainpool)

Mund abputzen, weitermachen. Und dabei auf die alten Guybrush-Fans bauen. So nutzen die beiden die Crowdfunding-Plattform kickstarter.com, um die Fangemeinde um Unterstützung für ihr neues Oldschool-Grafikadventure zu bitten. Im Gegenzug bieten Schafer und Gilbert den Crowd-Investoren eine Vorab-Version, ein signiertes Poster oder ein Mittagessen – je nach dem ob man 15, 250 oder gar 10.000 Dollar locker macht. Wer noch mehr hinblättert, kann sich sogar als Charakter im Spiel verewigen lassen. Da schlägt das Nerdherz gleich mehrere BPM höher!

Der Erfolg sprengte alle Erwartungen: 400.000 Dollar benötigen Schafer und Gilbert für die Entwicklung, fast 2 Millionen haben sie bis dato eingesammelt. Und die Aktion läuft noch bis zum 13. März!!!

„Das ist von unserer Seite so minimal kalkuliert, da würde selbst der geizigste Schotte feucht werden unterm Rock“ (Bernd Stromberg)

Das Crowdfunding nicht nur in den USA sondern auch in Deutschland funktioniert, bewies zuletzt der „fieseste Chef der Welt“. Um Bernd Stromberg endlich auf die Großleinwand zu bringen, vertrauten die Macher auf die Fans. Mit Erfolg: Innerhalb einer Woche „spendeten“ über 3000 (Privat-)Investoren eine Million Euro. Die Dreharbeiten sollen noch in diesem Jahr losgehen.

Double Fine Adventure und der Stromberg-Kinofilm sind jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Viele kleinere Projekte wurden bereits von Fans finanziert – zum Beispiel auf folgenden Plattformen: respekt.net, die erste deutschsprachige Crowdfunding-Site, unterstützt vor allem soziale und ehrenamtliche Projekte. An Künstler und Kreative richten sich die Plattformen startnext.de und inkubato.com. Auf mysherpas.com tummeln sich kreative und soziale Projekte ebenso wie Unternehmensgründungen, ähnlich bei visionbakery.de. Projekte aus dem IT-Bereich kommen anscheinend bei pling.de gut unter. Hierüber wurde z. B. das Saber Rider Projekt finanziert, ein an die Comic-Serie angelehntes Computerspiel.

Und Ihr? Habt Ihr ebenfalls schon Erfahrungen mit Crowdfunding gemacht? Kennt Ihr weitere Plattformen? Falls ja, hinterlasst einen Kommentar und lasst es uns wissen!